Dieser Synthesebericht analysiert die Aufzeichnung des ESA/JAXA-Livestreams zur Abkopplung des Mercury Transfer Modules (MTM) der Raumsonde BepiColombo am Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt, Deutschland. Das MTM diente seit dem Start im Oktober 2018 als primäre Antriebseinheit und beförderte das Raumfahrzeug über knapp 10 Milliarden Kilometer durch das innere Sonnensystem. Die physikalische Trennung erfolgte autonom mittels pyrotechnischer Befestigungselemente bei einer relativen Entkopplungsgeschwindigkeit von knapp 40 cm/s.
Der Erfolg des Trennmanövers wurde zunächst durch eine messbare Doppler-Frequenzverschiebung des Trägersignals indiziert und anschließend durch die vollständige Signalerfassung (Acquisition of Signal, AOS) sowie Telemetriedaten über die Deep-Space-Bodenstation Cebreros (Spanien) und die Backup-Station Malargüe (Argentinien) verifiziert. Nach der Trennung wechselte der MPO-Stack (Mercury Planetary Orbiter) vorübergehend in den Safe-Mode, um die Ausrichtung auf die Erde zu optimieren und die Stromversorgung erfolgreich vom MTM auf das eigene Solarsegel umzuschalten. Die Mission tritt damit in die finale Merkur-Ankunftsphase ein. Es folgen die Orbiteinfügung am 21. November, die Separierung des japanischen Orbiters Mio (JAXA) im Dezember sowie der Beginn der primären Wissenschaftsphase im April 2027.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:04 Mission-Meilenstein: Die ESA startet die Live-Übertragung zur MTM-Entkopplung von BepiColombo am Operationszentrum ESOC in Darmstadt.
3:45 Internationale Kooperation: BepiColombo ist eine Gemeinschaftsmission von ESA und JAXA zur Erforschung von Merkur, dem am wenigsten erkundeten Gesteinsplaneten des inneren Sonnensystems.
5:40 Modularer Aufbau: Das Raumfahrzeug besteht aus einem vierteiligen Stack: MTM (Antriebsmodul), MPO (ESA-Planetenorbiter), Mio (JAXA-Magnetosphärenorbiter) und MOSIF (Sonnenschild für Mio).
7:46 Primärfunktion des MTM: Das MTM lieferte den Vortrieb für die 3,3 Millionen Kilometer vor der Merkur-Ankunft verbleibende Strecke und geht nach der Entkopplung in einen permanenten Sonnenorbit über.
8:52 Letzte MTM-Aufnahmen: Vorstellung der finalen Bilder der drei Monitoring-Kameras (MCAMs) am MTM vor deren endgültiger Deaktivierung durch die Trennung.
14:43 Entkopplungsvorgang: Die Entkopplung erfolgt autonom über pyrotechnische Bolzen mit einer langsamen Relativgeschwindigkeit von ca. 40 cm/s.
16:09 Flugdynamik & Hürden: Die Route erforderte neun Planetary Flybys (1x Erde, 2x Venus, 6x Merkur) sowie Flugplananpassungen aufgrund reduzierter Solarmodulleistung.
23:07 Fahrplan der Ankunftsphase: Detaillierung der nächsten Schritte: Schwache Gravitationserfassung, Orbiteinfügungsmanöver (21. November), Mio-Abtrennung (9./10. Dezember) und Beginn der Wissenschaftsphase (6. April 2027).
33:58 Solarelektrischer Antrieb (SEP): Nutzung von vier Ionentriebwerken mit einem kontinuierlichen Schub-Äquivalent von ca. 11 Grammkraft (entspricht dem Gewicht von zwei A4-Blättern Papier), die über die Cruise-Phase kumuliert zwei Jahre lang feuerten.
40:08 Thermische Umgebung: Extrembedingungen am Merkur (-180 °C bis +400 °C) erforderten die Entwicklung neuartiger Hochtemperatur-Schutzschilde und spezieller Solarmodul-Legierungen.
41:37 Wissenschaftliche Instrumentierung: MPO und Mio untersuchen den inneren Dynamo, die Krustenzusammensetzung, das globale Magnetfeld, vulkanische Strukturen und exosphärische Gase.
50:08 System-Reconfiguration & Lichtlaufzeit: Der verbleibende MPO-Stack schaltet autonom in den Safe-Mode, richtet die Antenne aus und schaltet das eigene Solarsegel frei; die Signallaufzeit zur Erde beträgt 11,5 Minuten.
1:44:54 Doppler-Signal-Bestätigung: Die Flugsteuerung registriert eine präzise Doppler-Shift-Änderung im Funksignal als ersten messtechnischen Nachweis der erfolgten MTM-Trennung.
2:05:37 Signalerfassung (AOS) & Telemetrie: Die Station Cebreros empfängt Telemetriedaten; MPO bestätigt die erfolgreiche Neukonfiguration, positive Energiereserven und volle Betriebsbereitschaft.