Das Transkript analysiert eine unverbindliche Resolution der UN-Generalversammlung, die auf Vorschlag Togos eingebracht und von fast allen Mitgliedstaaten — mit Ausnahme der Vereinigten Staaten — unterstützt wurde. Die Initiative plädiert für die Ablösung der traditionellen Mercator-Weltkarte zugunsten flächentreuer Projektionen wie der „Equal Earth“-Karte, um die tatsächlichen Größenverhältnisse Afrikas und äquatornaher Regionen korrekt abzubilden. In einem Interview erläutert Clancy Wilmott, außerordentliche Professorin für kritische Kartografie an der UC Berkeley, die unterschiedlichen Zwecke von Kartenprojektionen, die Ursachen für polare und äquatoriale Verzerrungen sowie die geopolitischen Hintergründe der US-Gegenstimme.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:00 UN-Resolution zu Weltkarten: Die Generalversammlung verabschiedete eine unverbindliche, von Togo eingebrachte Resolution zur Ersetzung der traditionellen Mercator-Karte durch flächentreue Projektionen; die USA stimmten als einzige Nation dagegen.
0:36 Equal Earth-Projektion: Eine 2018 von Kartografen entworfene, flächentreue Weltkarte, die entwickelt wurde, um die massiven Skalierungsverzerrungen konventioneller Darstellungen zu korrigieren.
1:31 Zweckgebundenheit von Projektionen: Die Mercator-Projektion wurde primär für die Navigation entwickelt, wobei sie relative Formen bewahrt, während flächentreue Karten die realen Flächenverhältnisse priorisieren.
2:15 Polare und äquatoriale Verzerrung: Die Mercator-Projektion vergrößert Landmassen in hohen Breiten stark (Grönland erscheint so groß wie Afrika), wodurch äquatornahe Länder und Kontinente optisch verkleinert werden.
4:03 Nationale Kartenstandards: Jedes Land nutzt projektspezifische Kartenmodelle, um Breitengradverzerrungen zu kompensieren; Australien und äquatornahe Staaten leiden besonders unter den Verzerrungen der Mercator-Projektion.
5:25 US-Gegenstimme und Ideologievorbehalt: Die USA lehnten die Resolution ab, weil sie diese als Teil eines radikalen ideologischen Projekts wahrnehmen, was an historische Debatten um die Peters-Projektion der 1970er Jahre anknüpft.
6:51 Pragmatischer Nutzen für UN-Ziele: Der Wechsel zu flächentreuen Karten wird von Kartografen als pragmatischer Schritt bewertet, um globale Aufgabenbereiche wie öffentliche Gesundheit, Entwicklungshilfe und internationale Planung adäquat darzustellen.
Glossar
Mercator-Projektion: Eine 1569 vom Geografen Gerhard Mercator entworfene zylindrische Kartenprojektion. Sie ist winkeltreu (konturiert Formen naturgetreu), verzerrt jedoch die Flächengröße zu den Polen hin massiv, wodurch Polargebiete überproportional groß erscheinen.
Equal Earth-Projektion: Eine im Jahr 2018 eingeführte, flächentreue Pseudozylindrik-Projektion für Weltkarten, die entwickelt wurde, um die Kontinente und Ozeane in ihren realen Größenverhältnissen zueinander darzustellen.
Flächentreue Projektion (Equal-Area Projection): Eine Abbildungsmethode der Kartografie, bei der alle Flächen auf der Karte im selben konstanten Verhältnis zur tatsächlichen Erdoberfläche stehen, meist zulasten exakter Winkel- und Formtreue.
Peters-Projektion: Eine in den 1970er Jahren stark diskutierte, flächentreue zylindrische Weltkarte, die explizit das Ziel verfolgte, die tatsächliche Größe von Entwicklungsländern im globalen Süden visuell aufzuwerten.
Breitengrad (Latitude): Der Winkelabstand eines Punktes auf der Erdoberfläche zum Äquator, gemessen in Grad nach Norden oder Süden.
Kritische Kartografie (Critical Cartography): Ein akademisches und theoretisches Forschungsfeld, das Karten nicht als neutrale wissenschaftliche Abbilder betrachtet, sondern als soziale und politische Instrumente analysiert, die Machtstrukturen widerspiegeln und formen.