Die Vereinten Nationen haben mit 164 Ja-Stimmen gegen die Einzelstimme der USA eine Resolution verabschiedet, die die 500 Jahre alte Mercator-Projektion zugunsten der 2018 entwickelten „Equal Earth“-Projektion als Standard-Weltkarte ablöst. Während die Mercator-Karte von 1569 für die maritime Navigation konzipiert wurde und Landmassen in hohen Breitengraden extrem aufbläht, bietet Equal Earth eine flächengetreue Darstellung ohne die starken Formverzerrungen älterer Alternativen wie Gall-Peters. Die UN versteht diesen Schritt als Akt kognitiver Gerechtigkeit, um eurozentrische Verzerrungen des globalen Südens in Bildung und Medien zu korrigieren.
Wichtigste Punkte
UN-Resolution & Abstimmungsergebnis: Auf Initiative der Afrikanischen Union verabschiedeten 164 UN-Mitgliedsstaaten fast einstimmig die Bevorzugung der Equal Earth-Projektion; als einziges Land stimmten die USA dagegen.
Mercator-Verzerrungen: Die 1569 entwickelte Mercator-Projektion ist winkeltreu und für die Nautik optimiert, verzerrt jedoch Flächen zum Pol hin extrem. Grönland erscheint etwa gleich groß wie Afrika, obwohl Afrika tatsächlich 14-mal größer ist.
Equal Earth vs. Gall-Peters: Als Reaktion auf die Debatte um die Gall-Peters-Projektion (welche 2017 in Schulen von Boston eingeführt wurde, aber wegen starker vertikaler Verzerrungen am Äquator in der Kritik stand) sichert Equal Earth seit 2018 Flächengroßtreue bei visuell ausgewogenen Konturen durch geschwungene Meridianlinien.
Alternative Kartentypen: Die Winkel-Tripel-Projektion (1921, von National Geographic genutzt) minimiert Verzerrungen von Fläche, Richtung und Distanz gleichzeitig, während die Dymaxion-Projektion (1943 von Buckminster Fuller) die Welt als entfaltetes Polyeder darstellt.
Zusatzdaten zu KI-Inhalten: Eine im Artikel zitierte Studie von Pew Research zeigte, dass über ein Drittel der nach dem Start von ChatGPT veröffentlichten Webseiten Merkmale KI-generierter Autorenschaft aufweisen.
Diskussions-Highlights
Mathematische Projektionsgrenzen: Experten der Community betonen, dass jede 2D-Projektion einer 3D-Kugel mathematische Kompromisse erfordert. Equal Earth nutzt ein 4-Koeffizienten-Polynom für exakte Flächengleichheit, während die klassische Robinson-Projektion lediglich ein visueller Kompromiss ohne exakte Flächen- oder Winkeltreue ist.
Schulische Realität: Mehrere Kommentatoren wiesen darauf hin, dass die Mercator-Projektion in europäischen Schulklassen (z. B. in Deutschland) bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts kaum genutzt wird und stattdessen Projektionen nach Mollweide oder Robinson Standard waren.
Empfohlene Alternativen & Tools: In der Diskussion wurden weitere flächen- und formoptimierte Entwürfe wie die AuthaGraph-, Boggs Eumorphic- und Goode-Homolosine-Projektionen genannt. Als digitale Werkzeuge für reale Größenvergleiche wurden MapFight, TheTrueSize und interaktive D3.js-Kartenvergleiche angeführt.
Präferenz für Globen: Viele Nutzer argumentieren, dass flache Papierkarten für Bildungszwecke zunehmend von physischen Globen oder dreidimensionalen digitalen Anwendungen (wie Google Earth) abgelöst werden sollten, da nur 3D-Kugeln frei von Projektionsverzerrungen sind.
Rechtliche Tragweite & Konventionen: Die UN-Resolution ist völkerrechtlich nicht bindend für Mitgliedsstaaten, sondern legt vorrangig interne Publikationsstandards fest. Zudem wurde kritisiert, dass auch die Wahl des Nullmeridians durch Greenwich und die Ausrichtung nach "Norden oben" historische Eurozentrismen darstellen, die durch reine Projektionswechsel nicht aufgelöst werden.
Glossar
Mercator-Projektion: Ein 1569 von Gerhard Mercator entwickelter zylindrischer Kartennetzentwurf. Er ist winkeltreu (Kurse mit konstantem Kompasswinkel sind Geraden), verzerrt jedoch die Flächengröße von Landmassen zu den Pole hin extrem.
Flächengetreue Projektion (Equal-Area): Eine Kartenprojektion, bei der das Größenverhältnis aller dargestellten Flächen zur Realität auf der Erde exakt proportional bleibt (1 % der Kartenfläche entspricht 1 % der Erdoberfläche).
Winkeltreue Projektion (Conformal): Eine Kartenprojektion, bei der Schnittwinkel von Linien (wie Breiten- und Längengraden) lokal getreu abgebildet werden, was Formen lokal bewahrt, aber Flächengrößen stark verfälscht.
Equal Earth-Projektion: Eine 2018 von Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny entworfene flächengetreue Pseudozylinder-Projektion, die Größenverhältnisse korrekt wiedergibt und Formverzerrungen optisch minimiert.
Gall-Peters-Projektion: Eine flächengetreue Zylinderprojektion, die zwar die relativen Flächengrößen korrekt darstellt, Landmassen nahe dem Äquator jedoch stark vertikal streckt und in polaren Zonen staucht.
Dymaxion-Projektion: Ein von Buckminster Fuller entwickelter Kartenentwurf, der die Erde auf die Fläche eines 20-flächigen Polyeders (Ikosaeder) projiziert, um Kontinente als zusammenhängendes Band mit geringer Verzerrung darzustellen.
Nullmeridian (Prime Meridian): Der geografische Längengrad $0^\circ$, der per internationaler Vereinbarung von 1884 durch die königliche Sternwarte in Greenwich (London) verläuft und als Referenzlinie für Längengrade dient.