Dieses Video analysiert die historischen Ursachen, das strukturelle Fehlmanagement und den finalen Zusammenbruch der Credit Suisse, der im März 2023 in einer von der Schweizer Regierung orchestrierten Übernahme durch die UBS für 3 Milliarden Schweizer Franken gipfelte. Der Niedergang der 167 Jahre alten Institution war das Resultat einer sich über Jahrzehnte aufbauenden Risikokultur, unzureichender interner Kontrollen und wiederholter Compliance-Verstöße.
Der historische Bogen spannt sich von der Gründung im Jahr 1856 durch Alfred Escher über das Schweizer Bankgeheimnis von 1934 bis hin zu einer Reihe von Finanzskandalen. Dazu zählen der Chiasso-Skandal (1977), Geldwäsche für Diktatoren und organisierte Kriminalität, Verstöße gegen US-Sanktionen (536 Mio. USD Strafe, 2009), Beihilfe zur US-Steuerhinterziehung (2,6 Mrd. USD Strafe, 2014) sowie die Mosambik-„Tuna-Bonds“ (475 Mio. USD Strafe). Die Kette aus Skandalen setzte sich mit einer Spionageaffäre um CEO Tidjane Thiam und Iqbal Khan (2019) fort.
Den entscheidenden Bilanzschaden verursachten im Jahr 2021 das Fiasko um Greensill Capital (10 Mrd. USD gebundenes Kundenvermögen) und der Kollaps von Archegos Capital. Bei Letzterem erlitt die Bank durch gehebelte Total Return Swaps und fehlerhafte statische Margenanforderungen einen Verlust von 4,7 Milliarden CHF, nachdem Risikowarnungen ignoriert wurden. Die Insolvenz der Silicon Valley Bank im März 2023, eingeräumte Material Weaknesses im Finanzbericht sowie die Ablehnung weiterer Kapitalinjizierungen durch den Hauptaktionär Saudi National Bank lösten einen irreparablen Vertrauensverlust und massive Mittelabflüsse aus. Zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit setzte die Schweizer Regierung Notrecht ein, überging die Aktionärsrechte und entwertete AT1-Anleihen im Wert von 16 Milliarden CHF vollständig.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:00 Der Kollaps von Credit Suisse: Die 167-jährige Geschichte der Großbank endete im März 2023 innerhalb eines Wochenendes in einer erzwungenen Übernahme durch die UBS für 3 Milliarden CHF.
2:44 Gründung und Bankgeheimnis: Alfred Escher gründete die Bank 1856 zur Finanzierung der Schweizer Eisenbahninfrastruktur. Das Schweizer Bankgeheimnis von 1934 legte den Grundstein für den Aufstieg zur globalen Vermögensverwaltung, förderte jedoch systematische Anonymität.
4:07 Die Drei-Schichten-Struktur: Das Geschäftsmodell untergliederte sich in das risikoreduzierte Privatkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und das margenstarke, hochriskante Investment-Banking (u. a. First Boston), welches die Risikoprofile der Gesamtsamtanstalt dominierte.
5:21 Historische Skandale (1977–2009): Der Chiasso-Skandal von 1977 (2 Mrd. USD auf Off-Balance-Konten), Kontenbeziehungen zu Diktatoren (Marcos, Gaddafi) sowie die Verschleierung von Transaktionen für sanktionierte Staaten wie den Iran (536 Mio. USD Strafe im Jahr 2009) zeugen von kontinuierlichen Compliance-Mängeln.
7:11 Finanzkrise 2008 & Folgekosten: Während der Finanzkrise 2008 verzichtete die Bank auf staatliche Beihilfen und beschaffte sich privates Eigenkapital aus dem Golfraum (Katar). Es folgten hohe Strafzahlungen wegen Beihilfe zur US-Steuerhinterziehung (2,6 Mrd. USD, 2014) und des Mosambik-Kredit-Skandals (475 Mio. USD Strafe).
8:52 Führungskrise und Spionageaffäre (2019): Konflikte zwischen CEO Tidjane Thiam und Vermögensverwaltungschef Iqbal Khan führten nach Khans Wechsel zur UBS zur Überwachung durch Privatdetektive, physischen Konfrontationen und dem Suizid eines beteiligten Subunternehmers.
10:55 Die Doppel-Katastrophe Greensill & Archegos (2021): Die Insolvenz von Greensill Capital fror 10 Mrd. USD an Kundenfonds ein. Wenige Tage später verursachten Total Return Swaps des Family Office Archegos Capital einen Verlust von 4,7 Mrd. CHF, da das Risikomanagement konservative statische Margen nutzte und interne Warnungen überging.
14:15 Der finale Liquiditätsengpass (März 2023): Nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (9. März) meldete Credit Suisse wesentliche Schwachstellen in den internen Finanzkontrollen. Eine Absage weiterer Kapitalzuführungen durch die Saudi National Bank (15. März) löste Abflüsse in Milliardenhöhe aus, die auch durch eine Liquiditätshilfe der Schweizer Nationalbank über 50 Mrd. CHF nicht gestoppt werden konnten.
16:41 Die UBS-Übernahme und AT1-Entwertung: Zur Rettung des Instituts erzwang der Schweizer Staat am 19. März 2023 den Verkauf an die UBS für 3 Mrd. CHF unter Umgehung von Aktionärsrechten. Entgegen der üblichen Abwicklungsreihenfolge wurden AT1-Anleihen im Wert von 16 Mrd. CHF auf null abgeschrieben.