Diese Dokumentation begleitet den Holzbau-Experten Johannes Schelle und sein Team bei der Planung und Errichtung eines luxuriösen, ganzjährig nutzbaren Baumhauses in den Kronen alter Buchen und Eichen. Der Schwerpunkt liegt auf der Kombination von hochpräziser Werkstattvorfertigung (rund 200 passgenaue Komponenten, darunter eine komplexe Lärchenholz-Spiraltreppe) mit baumschonenden Befestigungsmethoden. Um die Vitalität der über 100 Jahre alten Bäume zu schützen, kommen speziell entwickelte Baumschrauben (mit einer Tragkraft von bis zu 4 Tonnen) und Flaschenzüge statt schwerer Baumaschinen zum Einsatz. Das Projekt verbindet ingenieurtechnische Präzision mit den natürlichen Bewegungen und dem organischen Wachstum der Bäume.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:00 3D-Scannung der Bäume: Einsatz einer 3D-Scanner-App zur exakten digitalen Erfassung von Baumstrukturen, Abständen und Astansätzen als geometrische Grundlage für die CAD-Planung.
0:29 Holzarten-Auswahl: Verwendung langsam wachsender Harthölzer (Buche, Eiche, Linde) von nordsituierten Standorten, die aufgrund dichterer Zellstrukturen widerstandsfähiger gegen Fäulnis sind.
0:52 Workshop-Vorfertigung: Vorab-Fertigung von rund 200 millimetergenauen Bauteilen in der Werkstatt, um Passgenauigkeit vor Ort zu gewährleisten und Montagezeiten im Baum zu minimieren.
1:52 Lärchenholz-Spiraltreppe: Konstruktion einer 19-stufigen, ungeträumten Spiraltreppe aus witterungsbeständigem Lärchenholz, berechnet über eine eigens entwickelte Software zur Wahrung der Faserrichtung.
7:20 Struktureller Holzschutz: Verlegung von Lärchenholz-Dielen mit nach oben gerichteter Kernseite, damit austretendes Regenwasser durch die natürliche Holzkrümmung seitlich abfließt.
8:41 Bodenschonende Logistik: Einsatz von Hand-Faschenzügen und Seilwinden anstelle schwerer Baumaschinen, um eine Verdichtung des Waldbodens und eine Beschädigung des oberflächennahen Wurzelsystems zu verhindern.
9:02 Patentierte Baumschrauben: Verschraubung von massiven, doppelt-gewindeten Baumschrauben (ca. 19 cm tief) in den aktiven Splintholzbereich; der Baum schottet die Wunde ab und bildet Reaktionsholz.
12:37 Ganzjährige Architektur: Konzeption des Innenraums von Innen nach Außen durch Architekt Christopher Richter; integriert sind Fußbodenheizung, Isolierung, Kochnische, Dusche und ein wassergespültes WC.
16:14 Teleskoplader-Einsatz: Nutzung eines Teleskopladers bei winterlichen Minusgraden, um schwere Bauteile unter strenger Schonung der Wurzeln in die Baumkronen zu heben.
25:53 Flexible Hängebrücke: Installation einer Hängebrücke aus Drahtseilen mit definiertem Durchhang, um die gegenseitigen, unvorhersehbaren Bewegungen der miteinander verbundenen Bäume elastisch auszugleichen.
Glossar
Splintholz: Der äußerste, noch lebende und wasserleitende Ringbereich des Baumstamms, der bei Baumhausverschraubungen gezielt genutzt wird, da er aktiv auf Verletzungen reagieren und das Gewebe abkapseln kann.
Reaktionsholz: Vom Baum gebildetes Spezialholzgewebe, das zur mechanischen Stabilisierung und zur Kompensation von Verletzungen oder einwirkenden Kräften dient.
Baumschraube: Ein massives, hochbelastbares Befestigungselement mit Grobgewinde und konischem Flansch, das bis zu 4 Tonnen tragen kann und dem Baum Raum zum Weiterwachsen lässt.
Kernseite: Die dem Baumstamm zugewandte Seite eines gesägten Brettes; sie wölbt sich bei natürlicher Holztrocknung oder Feuchtigkeitsaufnahme konvex, was beim konstruktiven Holzschutz zur Entwässerung genutzt wird.
Faserrichtung: Der natürliche Verlauf der Holzfäden; durch das passgenaue Zusammensetzen hintereinander geschnittener Bauteile bleibt die optische und strukturelle Maserung erhalten.
Teleskoplader: Ein schweres Hubfahrzeug mit ausfahrbarem Teleskoparm, das Lasten in große Höhen heben kann, ohne dass das Fahrzeug direkt an den empfindlichen Stamm heranfahren muss.