OpenAI GPT-6 Astra hat eigenständig eine deutsche Wehrmacht-Enigma-Nachricht (MVUEH vom 10. Juli 1941) entschlüsselt, die seit 2005 als ungelöst galt. Das Modell entwickelte selbstständig Python- und C++-Skripte für Enigma-Simulatoren und eine Enigma-Bombe, nutzte die wiederholte Ortsbezeichnung „ROSENOW“ als Crib und identifizierte Parallelen zur gelösten Nachricht SIPVX. Der Durchbruch wurde durch fehlerhafte Transkriptionen im Original sowie einen seltenen Walzenübertrag des linken Rotors beim 72. Buchstaben erschwert.
Wichtigste Punkte
Enigma-Nachricht MVUEH: Die am 10. Juli 1941 um 17:30 Uhr vom Rufzeichen 2ny an den SS-Totenkopf Quartiermeister Ib gesendete Nachricht (Nr. 172) widerstand seit 2005 allen Entschlüsselungsversuchen.
Autonome KI-Analyse: GPT-6 Astra analysierte ungelöste Nachrichten auf der Crypto Cellar Research-Website, wählte MVUEH aus und erkannte einen logischen Bezug zum Klartext der Nachricht SIPVX (Nr. 173).
Abweichender Tagesschlüssel: Im Gegensatz zu anderen Nachrichten des gleichen Tages verwendete MVUEH eine völlig andere Walzenordnung (253 statt 512) sowie abweichende Steckerverbindungen und Ringstellungen.
Kryptografische Hindernisse: Der Text enthielt Übertragungsfehler (z. B. Btte statt Bitte) und einen seltenen Walzenübertrag des linken Enigma-Rades beim 72. Buchstaben, was bisherige Standard-Angriffe verhinderte.
Archiv-Recherche: Astra identifizierte relevante Bundesarchiv-Akten (RS 3–3/20a und RS 3–3/63b) und agierte bei der Quellensuche eigenständig.
Diskussions-Highlights
Zweifel an der Autonomie und Modellvergleiche: Mehrere Kommentatoren bezweifeln die Darstellung der reinen KI-Eigenleistung und vermuten, dass die Lösung aus den Trainingsdaten (die das gesamte Enigma-Forschungsmaterial umfassen) abgeleitet wurde. Nutzer demonstrierten, dass auch andere Modelle wie Qwen 3.7 Max den Text ohne Spezialaufwand direkt decodieren konnten.
Klartextinhalt: Kommentatoren schlüsselten den tatsächlichen Klartext auf: „Bitte um Angaben des Marschweges. Befinde mich in Rosenow, Rosenow. Sofort Funkantwort. Waschbusch.“ (mit leichten Tippfehlern im Original).
Bedenken bezüglich des Quellenzugriffs: Astras Erwähnung einer „privaten Sammlung“ von Archiven löste Spekulationen über unautorisiertes Scraping oder interne Systemzugriffe aus; Kritiker werten den Bericht als Marketing-Hype vor einem Börsengang.
Parallelen zu anderen ungelösten Rätseln: Es wurde angeregt, KI-Methoden auf verbleibende historische Rätsel wie die restlichen Chiffrate des Zodiak-Killers (Z13 und Z32) oder die Linear-A-Schrift anzuwenden.
Glossar
Enigma: Eine elektromaschinelle Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg vom deutschen Militär zur Verschlüsselung von Funksprüchen genutzt wurde.
Crib: Ein bekannter oder vermuteter Klartextabschnitt, der als mathematischer Ausgangspunkt (Schablone) für Kryptoanalyse-Angriffe auf Chiffrate dient.
Enigma-Bombe (Bomba): Eine ursprünglich von polnischen Kryptoanalytikern (u. a. Marian Rejewski) entwickelte und von Alan Turing weiterentwickelte elektromechanische Maschine zum automatisierten Auffinden von Enigma-Schlüsseln.
Stecker: Steckverbindungen an der Vorderseite der Enigma, die vor der eigentlichen Verlüsselung Buchstabenpaare vertauschten, um den Verschlüsselungsgrad zu erhöhen.
Ringstellung: Die mechanische Ausrichtung der Alphabet-Ringe auf den Enigma-Rotoren (Walzen), welche den genauen Punkt des Walzenübertrags festlegt.
Walzenübertrag (Turnover): Ein mechanischer Schritt bei der Enigma, bei dem die Drehung eines Rotors den benachbarten (linken) Rotor nach einer bestimmten Anzahl von Schritten um eine Position weiterschaltet.