Der „Ghost Jobs Report“ vom September 2026 von Unlisted analysiert direkte APIs von Applicant-Tracking-Systemen (ATS) und zeigt, dass 28,3 % aller datierten Stellenausschreibungen (163.057 Postings) seit über 90 Tagen offen sind. Die Auswertung offenbart enorme Diskrepanzen zwischen Branchen – von der Gastronomie mit 43,9 % veralteten Inseraten bis zum Gesundheitswesen mit 19,7 % – sowie signifikante Unterschiede je nach eingesetztem ATS (Lever führt mit 48,2 %, Workday verzeichnet mit 17,2 % den geringsten Anteil). Während Arbeitgeber argumentieren, dass Dauerlistings für kontinuierliches Recruiting oder Nischenrollen notwendig sind, kritisieren Bewerber die Praxis als intransparent und ineffizient.
Wichtigste Punkte
Datenumfang & Alter:163.057 offene Postings (>90 Tage) machen 28,3 % aller datierten Ausschreibungen aus; 94.106 Postings sind sogar länger als 180 Tage aktiv. Das Medianalter aller offenen Postings liegt bei 36 Tagen.
Schließungs- und Repost-Raten: Nur 14,6 % der geschlossenen Postings wurden innerhalb einer Woche entfernt; 4,2 % wurden innerhalb von 30 Tagen als neuer Post für dieselbe Rolle vom selben Arbeitgeber republiziert.
Branchenspezifische Verweildauer: Die Gastronomie verzeichnet die längsten Verweildauern (43,9 % über 90 Tage; Median: 65 Tage), während das Gesundheitswesen am schnellsten rotiert (19,7 % über 90 Tage; Median: 29 Tage).
Applicant Tracking Systems (ATS):Lever weist mit 48,2 % (Median: 83 Tage) den höchsten Anteil veralteter Postings auf, gefolgt von BambooHR (47,9 %). Workday zeigt mit 17,2 % (Median: 26 Tage) den geringsten Anteil. Pinpoint, Personio und Y Combinator veröffentlichen keine Baudaten.
Länderspezifische Kennzahlen: Die USA führen mit 334.681 offenen Postings (26,2 % über 90 Tage, 50,7 % Gehaltsangabe). Deutschland weist einen Stale-Anteil von 31,7 % (Median: 54 Tage) bei einer sehr geringen Gehaltsangabenquote von 3,9 % auf.
Methodik: Die Erfassung basiert ausschließlich auf dem direkten Abruf öffentlicher ATS-APIs (wie Workday, Lever, Greenhouse) von Unternehmenskarriereseiten und ignoriert externe Aggregatoren wie LinkedIn oder Indeed.
Diskussions-Highlights
Kontinuierliches Recruiting vs. Ghost Jobs: Arbeitgeber und Hiring Manager argumentieren, dass permanente Listings bei hohem, dauerhaftem Bedarf (z. B. Skalierung von Engineering-Teams) oder extremen Nischenrollen völlig normal sind und keine böswilligen „Ghost Jobs“ darstellen.
Kritik an Arbeitsbedingungen und HR: Kritiker entgegnen, dass monatelang offene Stellen primär toxische Arbeitsbedingungen, unzureichende Vergütung (z. B. 130.000 USD für TS/SCI-geprüfte Cybersecurity-Rollen in High-Cost-of-Living-Regionen wie Washington D.C./NoVA) oder faule HR-Abteilungen widerspiegeln.
KI-getriebene Ineffizienz: Der Einsatz automatisierter KI-Filter durch HR und gleichzeitige KI-Massenbewerbungen durch Kandidaten haben das Rausch-Signal-Verhältnis drastisch verschlechtert, was zu tausenden erfolglosen Bewerbungen und exzessiven Interviewprozessen (teilweise 7–9 Runden) führt.
Compliance und Wachstumsillusion: Einige Diskutanten merken an, dass Startups veraltete Stellenanzeigen aktiv offen halten, um Investoren oder dem Markt eine künstliche Wachstumsphase vorzugaukeln (besonders in Ländern mit öffentlich einsehbaren Firmenbüchern wie dem Vereinigten Königreich).
Extreme Ausprägungen: Großkonzerne wie O'Reilly Auto Parts (14.320 offene Postings) und Whataburger Restaurants (83,9 % über 90 Tage, Median von 239 Tagen) verdeutlichen die extremen Ausprägungen in bestimmten Branchen.
Glossar
Ghost Job: Eine Stellenausschreibung, die online gehalten wird, obwohl das Unternehmen keine unmittelbare Absicht oder Kapazität hat, die Position zeitnah zu besetzen.
Applicant Tracking System (ATS): Eine Softwareanwendung (z. B. Workday, Lever, Greenhouse), die Unternehmen zur Verwaltung des gesamten Rekrutierungsprozesses und zur Veröffentlichung von Karriereseiten nutzen.
Stale Posting (Veraltetes Posting): Eine Stellenausschreibung, die auf der Karriereseite des Arbeitgebers seit mehr als 90 Tagen ununterbrochen als offen geführt wird.
TS/SCI: Top Secret / Sensitive Compartmented Information; eine hochrangige US-Sicherheitsfreigabe, die für bestimmte sensible Regierungs- und Verteidigungsrollen erforderlich ist.
HCOL (High Cost of Living): Regionen mit extrem hohen Lebenshaltungskosten (z. B. Washington D.C. oder Northern Virginia).
YOE (Years of Experience): Berufsjahre oder Jahre an einschlägiger Berufserfahrung in einem bestimmten Fachbereich.