Dieser Dokumentarfilm beleuchtet den historischen untertägigen Schieferbergbau in der Grube Margareta in Mayen (Vulkaneifel). Es werden sowohl traditionelle handwerkliche Abbaumethoden (mit Spitzhacke und Keil) als auch mechanisierte Verfahren wie Schrammhämmer, Steinsägen und endlose Quarzsand-Drahtsägen auf der 220 Meter tiefen siebten Sohle dokumentiert. Neben den geologischen Eigenschaften des devonischen Schiefergesteins und der extremen Materialverlustquote (nur ca. 10 % Endprodukt) zeigt der Film bergmännische Routinen wie das tägliche Barbara-Gebet, den Grubenbetrieb mit Feldbahnen sowie die technische Schachtförderung.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:27 Historischer Hintergrund: Mayen in der Vulkaneifel blickt auf eine lange Tradition des Schieferabbaukunsthandwerks zurück, gestützt durch die letzten aktiven Bergwerke wie die Grube Margareta.
2:22 Barbara-Gebet: Die Bergleute (auch „Kohlmänner“ genannt) versammeln sich jeden Morgen vor Schichtbeginn zum gemeinsamen Gebet und zur Anrufung der heiligen Barbara als Schutzpatronin der Bergleute.
3:42 Seilfahrt zur 7. Sohle: Die Einfahrt in den Förderschacht führt bei einer Geschwindigkeit von 2,7 Metern pro Sekunde in etwa anderthalb Minuten zur 220 Meter tiefen Hauptsohle.
5:39 Abbauort („Richte“): Das abzubauende Schieferlager („Richte“) steht steil (ca. 75 Grad) aufgerichtet an, hat eine Mächtigkeit von etwa vier Metern und erstreckt sich von über Tage in die Teufe.
6:58 Manuelle Gewinnung: Ursprünglich wurde der Schiefer in mühevoller Handarbeit mit Spitzhacke, Keil und Handsäge („Bügelsäge“) blockweise aus dem Fels gebrochen.
15:07 Mechanisierter Schramm-Abbau: Ab 1950 erleichterten druckluftbetriebene Schrammhämmer das Freischneiden des Gesteins, erzeugten jedoch gesundheitsschädlichen Steinstaub.
18:52 Drahtsägen-Technologie: Die Einführung endloser, mit Quarzsand und Wasser gespülter Drahtsägen (Drahtgeschwindigkeit 4 m/s) revolutionierte den Abbau ab 1956 durch geräuschloses Schneiden ohne breite Verschnittschlitze.
21:52 Grubenwasser und Sümpfe: Ein 50 Meter langer Sammelsumpf auf der 6. Sohle fängt das anfallende Grubenwasser auf, das über ein starkes Pumpensystem und Rohrleitungen für den Nassbetrieb im Revier genutzt wird.
24:19 Sprengtechnik: Um den wertvollen Schiefer ungestört in großen Blöcken zu gewinnen, wird trocken mit Schwarzpulver in handgestopften Papierpatronen gesprengt.
38:52 Ausbeute und Verschnitt: Das Verhältnis von gefördertem Rohgestein zu fertigem Dachschiefer beträgt ungünstige 10 zu 90 Prozent (60 % untertägiger Verschnitt, 30 % Verarbeitungs- und Spaltverlust).
39:47 Geologie des Schiefers: Das devonische Sedimentgestein entstand aus urzeitlichem Meeresschlamm, der durch tektonische Erdbewegungen zum Rheinischen Schiefergebirge aufgefaltet und komprimiert wurde.
43:38 Schachtförderung: Die vertikale Förderung der gefüllten Steinwagen zur Oberfläche erfolgt über ein System aus zwei gegenläufigen Förderkörben, angetrieben von starken Elektromotoren im Förderturm.
Glossar
Richte: Die steil aufgerichtete, abbauwürdige Schiefer-Ader bzw. Gesteinsschicht im Bergwerk.
Teufe: Der bergübliche Fachausdruck für die Tiefe eines Bergwerks unter der Erdoberfläche.
Sohle: Eine waagerechte Haupt- oder Etagenebene in einem Untertage-Bergwerk, auf der Abbau und Transport stattfinden.
Schrammen: Das Herausschneiden oder -schlagen von Schlitzen im Gestein, um Blöcke spannungsfrei zu lösen.
Drahtsäge: Eine im Schieferbergbau eingesetzte Endlossäge, die unter Zugabe von Quarzsand und Wasser tonnenschwere Gesteinsblöcke trennt.
Sumpf: Die tiefste Stelle einer Grubensohle, in der sich das anfallende Grubenwasser sammelt, bevor es an die Oberfläche gepumpt wird.
Devon: Eine geologische Epoche vor etwa 419 bis 359 Millionen Jahren, in deren Verlauf sich die Gesteinsschichten des Rheinischen Schiefergebirges bildeten.
Schlepper: Ein Bergmann unter Tage, der für den Transport der Material- und Steinwagen (Rollwagen) zwischen Abbauort und Hauptförderstrecke zuständig ist.
Schießmaurer: Der speziell ausgebildete Bergmann, der für das Bohren, Laden und Zünden der untertägigen Sprengladungen verantwortlich ist.
Feldbahn: Ein untertägiges Schienensystem zum leichten Transport von Gütern und Steinwagen.