Das Projekt w1700k-sdr konvertiert den WLAN-7-Router Gemtek W1700K in einen breitbandigen Software-Defined-Radio-Empfänger (SDR). Eine eigenentwickelte Open-Source-Firmware steuert den MediaTek MT7996 Funkchip an, um rohe 14-Bit-IQ-Daten bei Abtastraten bis zu 320 Msps über eine 10-GbE-Schnittstelle zu streamen. Ein Linux-Host verarbeitet den Datenstrom und stellt ihn als Echtzeitspektrum sowie Wasserfalldiagramm in einer Webbrowser-Oberfläche dar.
Wichtigste Punkte
Hardware-Basis: Verwendet den Gemtek W1700K Router mit dem MediaTek MT7996 Wi-Fi 7 Chip (MT7976 für 2,4 GHz, zwei MT7977 für 5 und 6 GHz) sowie dem Airoha AN7581 SoC.
Abtastraten: Unterstützt 320 Msps bis 40 Msps bei 14-Bit komplexen IQ-Daten auf allen Bändern; Band 2 bietet zudem 640/2 Msps (flach bis ±155 MHz).
Netzwerk-Transport: Nutzt 10-Gigabit-Ethernet (10 GbE) für den Zero-Copy-Transport via UDP-Datagramme aus einem 1-GiB-DRAM-Ringpuffer, inklusive verlustfreier 28-Bit-Datenpackung bei 320 Msps.
Herstellerunabhängige Firmware: Vollständig eigene Implementierung ohne MediaTek-Code; führt Kaltstart, Register-Initialisierungen und HF-Kalibrierungen eigenständig durch.
Host-Software: Toolset bestehend aus w1700k-stream (Shared-Memory-Verwaltung und Entzerrung), w1700k-spectrum (FFT mit 262.144 Punkten bei 100 Bildern/Sekunde und Web-UI) sowie sdr-recv zur Aufzeichnung.
Sicherheitsdesign: Streng empfangsunabhängig (Receive-only); der Sendepfad des MAC sowie herstellerspezifische Sendekalibrierungen sind deaktiviert; kein dauerhaftes eFuse-Brennen durch den ROM-Patch.
Diskussions-Highlights
Kosten-Leistungs-Verhältnis: HN-Kommentatoren heben hervor, dass dies eine extrem kostengünstige Methode (unter 100 US-Dollar) darstellt, um einen 320-Msps-Empfänger im 5-GHz-Bereich zu realisieren.
Bedeutung für den Amateurfunk: Wird als bedeutender Durchbruch für Signalanalysen im 13cm- und 5cm-Amateurfunkband gewertet, da entsprechende Frequenzen zuvor hochpreisige Spezialhardware erforderten.
Komplexität des Bring-ups: Die akribische, registergenaue Nachbildung der Hardware-Initialisierung anhand von Hersteller-Traces wird als ingenieurtechnische Meisterleistung (oder als gelungener Einsatz von LLMs wie Claude) anerkannt.
Geräte-Natur: Diskutiert wird scherzhaft, dass es sich im Kern um das „Umwandeln eines SDR in ein anderes SDR“ handelt, da moderne WLAN-Chips ohnehin digital konfigurierbare Funk-Transceiver sind.
Glossar
Software-Defined Radio (SDR): Ein Funksystem, bei dem Signalverarbeitung und Filterung ganz oder teilweise in Software auf einem Computer oder digitalen Signalprozessoren statt in harter Hardware ausgeführt werden.
IQ-Daten (In-Phase und Quadrature): Ein digitales Datenpaar, das Amplitude und Phase eines Funksignals repräsentiert und die vollständige mathematische Erfassung des Signals erlaubt.
Msps (Mega Samples per Second): Millionen Abtastungen pro Sekunde; Maßeinheit für die Abtastrate von Analog-Digital-Wandlern.
Local Oscillator (LO): Ein interner Oszillator in Empfängern, der ein Referenzsignal erzeugt, um empfangene Funkfrequenzen in Zwischenfrequenzen herabzusetzen.
SoC (System-on-Chip): Ein Mikrochip, der zentrale Rechenkerne, Speichercontroller und Netzwerkschnittstellen auf einem einzigen Halbleiterbaustein vereint.
FFT (Fast Fourier Transformation): Ein effizienter mathematischer Algorithmus zur Umwandlung eines Signals aus der Zeitdomäne in die Frequenzdomäne (Spektralanalyse).
eFuse: Eine programmierbare elektrische Sicherung auf Mikrochips, die einmalig dauerhaft durchgebrannt werden kann, um Konfigurationsdaten oder Sicherheitsmerkmale permanent zu speichern.
DMA (Direct Memory Access): Ein Verfahren, bei dem Hardware-Komponenten Daten direkt in den Arbeitsspeicher (RAM) übertragen können, ohne den Hauptprozessor (CPU) zu belasten.