Der Artikel beleuchtet die historischen Hintergründe des Versuchs von Autodesk im Jahr 1989, den Begriff „Cyberspace“ als Marke eintragen zu lassen, sowie den darauffolgenden Widerstand von William Gibson. Eric Gullichsen schildert seine damalige Arbeit im Autodesk Research Lab an frühen Virtual-Reality-Systemen und die Interaktionen mit Timothy Leary, der das Labor scherzhaft als „Cyberia“ bezeichnete. Der Text klärt auf, dass Gibsons angebliche Gegenklage, den Namen „Eric Gullichsen“ markenrechtlich schützen zu wollen, ein von Leary in die Welt gesetzter Scherz war. Schließlich trafen sich Gullichsen und Gibson 1990 auf der Art Futura in Barcelona persönlich, wo Gibson anmerkte, dass Autodesk „nicht die Straße“ sei.
Wichtigste Punkte
Frühe Virtual Reality: Das Autodesk Research Lab entwickelte 1989 VR-Systeme auf Basis eines 386er-PCs, Matrox-Grafikkarten, eines VPL EyePhone, eines Polhemus-Trackers und eines Datenhandschuhs, die mit sechs bis zehn Bildern pro Sekunde liefen.
Markenantrag für Cyberspace: Autodesk beantragte die Registrierung des Begriffs „cyberspace“ (USPTO-Nummer 73816876), was beim Autor von Neuromancer, William Gibson, auf heftigen Widerstand stieß und zu einem anwaltlichen Schreiben führte.
Der Gullichsen-Mythos: Das Gerücht, Gibson habe als Vergeltung versucht, den Namen „Eric Gullichsen“ als Marke eintragen zu lassen, war eine frei erfundene Geschichte von Timothy Leary, die von John Perry Barlow und Rudy Rucker weiterverbreitet wurde.
Persönliches Treffen: Eric Gullichsen und William Gibson trafen sich 1990 auf der Eröffnungsveranstaltung der Art Futura in Barcelona, wo Gibson lakonisch bemerkte, dass Autodesk im Sinne seines Zitats „The street finds its own use for things“ nicht „die Straße“ sei.
Diskussions-Highlights
Kritik am Firmenverhalten: Kommentatoren kritisierten Autodesk als typischen skrupellosen Großkonzern mit einem Marktwert von über 100 Millionen US-Dollar zu jener Zeit, der sich an einem kulturell gewachsenen Begriff bereichern wollte.
Problematische Markeneintragungen: Diskutiert wurden weitere umstrittene Markenregistrierungen von generischen Begriffen oder literarischen Genres, wie „cyberpunk“ (von CD Projekt genutzt), „Choose Your Own Adventure“, „NATO-Armbänder“ sowie Neal Stephensons Begriff „Metaverse“ (im Gegensatz zu Metas Umbenennung in „Meta“).
Kulturelle Einflüsse: Es entbrannte eine Debatte über den Grad des Einflusses von psychedelischer Kultur und LSD auf William Gibsons Schaffen in der Entstehungsphase von Neuromancer (1977–1983), wobei neben Timothy Learys bekannter These vom „PC als LSD der 90er Jahre“ auch musikalische Einflüsse wie Bob Marley genannt wurden.
Unternehmensnamensvettern: Teilnehmer wiesen auf zahlreiche weitere Unternehmen und Technologien hin, die sich bei J.R.R. Tolkiens Werken bedienten, darunter Palantir, Anduril und Narya Capital.
Glossar
ISA-Bus: Ein Bussystem für IBM-PC-kompatible Computer, das den Anschluss von Erweiterungskarten an das Motherboard ermöglichte.
VPL EyePhone: Eines der frühesten kommerziellen Head-Mounted Displays (HMDs) für Virtual Reality, entwickelt von VPL Research Ende der 1980er Jahre.
Polhemus-Tracker: Ein elektromagnetisches System zur Erfassung von Bewegungen und der Position im Raum (Head-Tracking).
Samizdat: Die clandestine Produktion und Verbreitung von Literatur, Videos oder Medien, die von sowjetischen Dissidenten zensiert wurden; hier im übertragenen Sinn für ein unoffizielles, internes VR-Video verwendet.
USPTO: United States Patent and Trademark Office; die US-amerikanische Behörde für Patente und Marken.