Dieses Video analysiert den 15 Jahre nach der Katastrophe vom 11. März 2011 laufenden, hochkomplexen Rückbau und die Dekontamination des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi durch TEPCO. Nach dem Erdbeben und Tsunami erlitten die Reaktoren 1, 3 und 4 Kernschmelzen und Wasserstoffexplosionen. Die primäre ingenieurtechnische Herausforderung ist die Bewältigung des kontaminierten Grundwassers, das durch rund 800 Risse in die Keller strömt. Zur Eindämmung wurde eine 1,5 Kilometer lange und 30 Meter tief reichende künstliche Frostwand errichtet. Während der Abtransport der abgebrannten Brennelemente aus den Abkühlbecken (unter anderem Block 4 im Jahr 2013 und Block 3 im Jahr 2021) voranschreitet, stellt die Entfernung des hochradioaktiven geschmolzenen Brennstoffs (Corium) mit Spitzendosen von bis zu 650 Sievert pro Stunde extreme Anforderungen dar. Ein 2025 getesteter Teleskop-Roboterarm markierte den ersten erfolgreichen Greifversuch von Trümmern, doch unabhängige Schätzungen der Waseda-Universität beziffern die Gesamtdauer des Rückbaus auf 70 bis 170 Jahre.
Wichtigste Punkte & Zeitstempel
0:00 Dreifach-Katastrophe: Am 11. März 2011 lösten das schwerste Erdbeben der japanischen Geschichte und ein Tsunami den Stromausfall der Notstromaggregate, den Kühlungsverlust und die Kernschmelze in den Blöcken 1, 3 und 4 aus, was zur Einstufung als Stufe-7-Ereignis (IAEA) führte.
0:35 TEPCO-Einsatz: Das Betreiberunternehmen TEPCO leitet die Sanierungsarbeiten, nachdem im Zuge der Havarie über 150.000 Anwohner evakuiert wurden.
0:45 Grundwasserdynamik: Erdreich und Grundwasser strömen von höher gelegenen Gebieten zum Meer; rund 800 Risse in unterirdischen Strukturen ließen zeitweise bis zu 540 Kubikmeter Wasser täglich in die Keller fließen, wo es radioaktiv kontaminiert wurde.
8:56 Frostwand-Barriere: Zur Kontrolle des Grundwassers wurde eine beispiellose, 1,5 Kilometer lange und 30 Meter tief reichende künstliche Frostwand errichtet, bei der Salzlösung durch Rohre im Abstand von einem Meter zirkuliert.
11:03 Brennelement-Räumung: Die Bergung der abgebrannte Brennelemente aus den Abkühlbecken erforderte Spezialkonstruktionen wie die 53 Meter hohe und 69 Meter lange Stahlstruktur über Block 4 (fertiggestellt 2013); Block 3 folgte 2021.
13:10 Corium und Strahlung: In den Reaktoren entstanden Temperaturen von bis zu 2.300°C, wodurch geschmolzener Kernbrennstoff (Corium) die Sicherheitsbehälter durchbrach; im Block 2 wurden 2017 Strahlungswerte von bis zu 650 Sievert pro Stunde gemessen.
14:38 Teleskop-Roboterarm: Ein vier Jahre lang entwickelter, spezialisierter Teleskop-Roboterarm unternahm 2025 einen ersten erfolgreichen Testlauf zur Entnahme kleiner Brennstofftrümmer aus Block 2.
16:35 Zeitplan-Kritik: Ein Bericht der Waseda-Universität kritisiert den offiziellen Regierungszeitplan und prognostiziert, dass die vollständige Beseitigung aller Brennstofftrümmer 70 bis 170 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Glossar
IAEA-Stufe 7: Die höchste internationale Kategorie der Internationalen Atomenergie-Organisation für nukleare Unfälle, die einen großflächigen Unfall mit massiven Freisetzungen radioaktiver Stoffe bezeichnet (bisher nur Tschernobyl und Fukushima).
Kernschmelze: Ein unkontrollierter nuklearer Unfallprozess, bei dem die Temperatur im Reaktorkern so stark ansteigt, dass die Brennstäbe schmelzen und sich verformen.
Corium: Eine extrem radioaktive, lavaähnliche Mischung aus geschmolzenem Reaktorbrennstoff, Spaltprodukten, Strukturmaterialien und Beton, die bei einer Kernschmelze entsteht.
Sievert (Sv): Die physikalische Maßeinheit für die Äquivalentdosis ionisierender Strahlung, die das biologische Schadenspotenzial von Strahlung im menschlichen Gewebe quantifiziert (650 Sievert pro Stunde sind innerhalb von Sekunden tödlich).
Subdrains: Ein System aus Entwässerungspumpen rund um die Reaktoren, das den Grundwasserspiegel kontrolliert und den hydrostatischen Druck auf die beschädigten Kellerstrukturen verringert.
Frostwand (Ground Freezing): Ein geotechnisches Verfahren, bei dem das umgebende Erdreich durch künstliche Kühlung tiefgefroren wird, um eine wasserdichte und stabile unterirdische Barriere zu erzeugen.