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Abstract
Der Artikel beleuchtet die Geschichte und evolutionäre Entwicklung des Bloomberg-Terminals von seiner Entstehung als Innovative Market Systems (IMS) im Jahr 1981 bis zur modernen, softwarebasierten Plattform. Michael Bloomberg und seine Partner revolutionierten die Wall Street, indem sie Echtzeit-Finanzdaten, spezialisierte Hardware und sofortige quantitative Analysen auf die Schreibtische von Analysten brachten. Mit einer heutigen Jahresgebühr von über 32.000 US-Dollar hat sich das Terminal als unverzichtbares, exklusives Arbeitswerkzeug etabliert, das den technologischen Wandel von dedizierten Workstations hin zu webbasierten Umgebungen vollzogen hat.
Wichtigste Punkte
- Unternehmensgründung: Michael Bloomberg gründete 1981 nach seinem Ausscheiden bei Salomon Brothers und einer Abfindung von 10 Millionen US-Dollar IMS (später Bloomberg LP) zusammen mit Thomas Secunda, Duncan MacMillan und Charles Zegar.
- Erster Großkunde: Merrill Lynch investierte 30 Millionen US-Dollar für einen 30-Prozent-Anteil sowie eine fünfjährige Exklusivität (die 1984 aufgehoben wurde) und nahm 1982 die ersten 22 „Market Master“-Terminals während einer globalen Rezession entgegen.
- Hardware-Entwicklung: Die handgefertigte „Chiclet“-Tastatur verfügte über farbcodierte Finanz-Hotkeys; 1990 wurde ein Trackball ergänzt, 1992 folgten Audio-Anschlüsse und in den frühen 2000er Jahren biometrische Fingerabdruckscanner.
- Preisentwicklung: Betrugen die Kosten 1999 noch rund 1.600 US-Dollar pro Monat, liegt der aktuelle jährliche Preis bei über 32.000 US-Dollar.
- Software-Transformation: Ab 1995 führte Bloomberg „Open Bloomberg“-Software für normale PCs ein und stellte um das Jahr 2000 die Vermietung dedizierter Hardware-Terminals vollständig ein.
- Kulturelles Erbe: Historische Exemplare, darunter das Terminal des „Bond Kings“ Bill Gross (PIMCO) mit handschriftlich aufgeklebtem Passwort, befinden sich heute in Sammlungen des Smithsonian National Museum of American History.
Diskussions-Highlights
- Technische Architektur: Das moderne Desktop-System basiert auf einem privaten Chromium-Fork im VT100-Stil, beinhaltet eine der weltweit größten JavaScript-Codebases (unterstützt durch C++) und nutzt eine OCaml-basierte Domain-Specific Language (DSL) für die Bepreisung exotischer Derivate.
- Extreme Rückwärtskompatibilität: Bloomberg unterhält ein internes Museum, in dem Hardware aus dem Jahr 1985 dank spezieller Signalumwandlung bis heute betrieben und demonstriert werden kann.
- Webstandards-Mitwirkung: Das Unternehmen ist aktiv in Web-Gremien vertreten; Rob Palmer von Bloomberg fungiert als Co-Vorsitzender des TC39-Komitees für JavaScript.
- Kosten-Nutzen-Verhältnis: Während Kritiker die jährlichen Kosten von 32.000 US-Dollar als unfairen Wettbewerbsvorteil bemängeln, argumentieren Branchenkenner, dass diese Gebühr im Vergleich zu den generierten Umsätzen (ca. 2 Milliarden US-Dollar) gering ist und das geschlossene Ökosystem aus Echtzeitdaten, direktem Handel und dem geschützten Netzwerk-Chat (
@bloomberg.net) rechtfertigt. - UI/UX-Designphilosophie: Das Terminal ist kompromisslos auf die Informationsdichte und das Muskelgedächtnis täglicher, erfahrener Profis optimiert, anstatt auf die schnelle Einarbeitung von Gelegenheitsnutzern Rücksicht zu nehmen.
Glossar
- Bloomberg-Terminal: Ein proprietäres, integriertes Computersystem für die Finanzmärkte, das Echtzeit-Marktdaten, Finanznachrichten, Analysetools und sichere Kommunikationskanäle bereitstellt.
- Chromium: Ein Open-Source-Webbrowser-Projekt, das als technische Basis für viele moderne Desktop-Anwendungen und Browser dient.
- VT100: Ein klassisches Videoterminal von Digital Equipment Corporation (DEC) aus dem Jahr 1978, dessen Textsteuerungsstandards branchenprägend wurden.
- OCaml: Eine funktionale Programmiersprache mit starkem statischem Typsystem, die bei Bloomberg u. a. für komplexe mathematische Berechnungen im Derivatehandel eingesetzt wird.
- Domain-Specific Language (DSL): Eine spezialisierte Programmiersprache, die für einen konkreten Anwendungsbereich (hier: die Bepreisung komplexer Finanzprodukte) optimiert ist.
- TC39: Das technische Komitee (Technical Committee 39) innerhalb der Standardisierungsorganisation Ecma International, das die offizielle Weiterentwicklung der Programmiersprache JavaScript steuert.
- Biometrische Authentifizierung: Ein Sicherheitsverfahren, bei dem Benutzer anhand eindeutiger körperlicher Merkmale (wie einem Fingerabdruck) identifiziert werden.
- Exotische Derivate: Komplexe, nicht standardisierte Finanzinstrumente, deren Wert von der Wertentwicklung zugrunde liegender Basiswerte (Underlyings) abhängt.